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Zur Kultur des Theaterspielen
von Dr. Judith Glazer

Theaterspielen ist eine szenische Methode der Darstellung die gleichsam von Akteur als auch Zuseher erlebt werden darf.

Als pädagogischer Baustein ist Theaterspielen seit der Antike bis heute ein Instrument, dem besondere Beachtung geschenkt werden muss.

Die moderne Theaterpädagogik entspricht in hohem Maße den Erkenntnissen der heutigen Lern- und Hirnforschung. Mittels Texten, Bildern, szenischer Darstellung kann der Weg zu persönlichem und emotionalem Ausdruck leichter gefunden werden.

Der Darsteller lernt sich als Person selbst bzw. seine Mitspieler wiederholt wahrzunehmen. Dies bedeutet ein sich vertraut machen mit dem gesprochenen Wort im direkten Zusammenspiel mit der körperlichen Ausdrucksform. Dieses Training lässt beim Jugendlichen aus erlebten gespielten Wahrnehmungen neue soziale Kompetenzen entwickeln. Die Akteure erfahren sich beim Theaterspielen in ständigen Interaktionsprozessen zu ihren Bezugsgruppen, lernen diese zu durchschauen und werden in der Folge kompetenter im eigenen Handeln und Auftreten.

Wiederholt konnte ich als Beobachter in der Entwicklung unserer Schauspieler ein Öffnen der Persönlichkeit hin zu Menschen mit besonders gestärktem Selbstwertgefühl sehen.

In vielen Fällen ging eine Steigerung der schulischen Leistung Hand in Hand. Authentische Anerkennung und Bewunderung von Seiten des Publikums sehe ich als hervorragenden Ansatz die Darsteller in ihrer Leistung zu bestätigen, zumal die Bereitschaft neben schulischen Verpflichtungen freiwillig und durchaus mit großem Enthusiasmus bereit macht Mehrleistungen, wie Texterlernen, auf sich zu nehmen besonders beachtenswert ist. Dieses Beispiel steht eindeutig dafür, was Freude bei Kindern und Jugendlichen auslöst und in der Entwicklung positiv fördert.

Spätestens seit der Diskussion bezüglich Lesekompetenz unserer Schüler, ausgelöst durch die Veröffentlichung der Pisa Studie, kann kaum ein anderer gesteuerter Prozess, wie das Erlesen und Nachsprechen von Theatertexten das Unterrichtskonzept stärken. Theaterspielen und Sprechen ist untrennbar mit der Fähigkeit des Aneignen und Verstehen von Texten verbunden. Die Umsetzung von Texten als Darsteller erfordert zusätzlich zum Verstehen eine differenziert gestaltete emotionale Verkörperung des Gesprochenen.

Erlernen von Problemlösungsstrategien geht dabei Hand in Hand. Das Üben und Hinterfragen von Körpersprache fördert Ausdruckfähigkeit und steht damit im Mittelpunkt einer zeitgemäßen Ausbildung. Eigenverantwortung und motiviertes Lernen sind dazu Voraussetzungen.

Heutige Medien wie Fernsehen und andere visuelle Angebote stellen aktive körperliche und aktive sinnliche Wahrnehmungen in den Hintergrund. Theaterspielen ermöglicht körper- und bewegungsorientierte Abläufe aktiv zu erleben und erlaubt allen Mitagierenden ein unmittelbares Bild zu bekommen. Aufführungen erzeugen direkte Reaktionen und Rückmeldungen, die der Schauspieler unmittelbar fühlt. Der Zuseher wird mit Darstellungen konfrontiert, die er annehmen oder ablehnen kann, somit entsteht Reflexion, wobei Erlebnisfelder erweitert werden. Psychosoziale Erfahrung durch Rollenarbeit lässt unmittelbar Fremd- und Eigenkompetenz erleben und stärkt diese. Fähigkeiten im Umgang mit Mitagierenden, Kooperation, Empathie und Selbstwahrnehmung sind Bausteine dieser Kompetenzen.

Ein weiterer Punkt ist die Verbindung von musischen Bereichen mit der gesprochene Sprache, der Literatur, der Musik, des Tanzes, der Bewegung. Jugendliche, die mit dem Erleben Theaterspielen Erfahrungen machen durften entscheiden sich oft den „Bühnenweg“ auch nach Abschluss der Matura weiterzugehen. Eine beachtliche Zahl der Schüler, die auf der Biondekbühne wachsen durften sind Zeugen dieses Phänomens. Ihr Werdegang ist durch den kulturellen Baustein der Biondekbühne geprägt.

Persönlichkeitsbildung, sicheres Auftreten, gute und moderne Bildungsstandards, wie Präsentationstechniken, Fähigkeiten in Rhetorik, Kompetenzen im Umgang mit Verantwortung und Durchhaltevermögen sind Anforderungen an unser heutiges Bildungssystem.

All diese Gedanken ergeben klar und prägnant – Theaterspielen ist eines der machtvollsten Bildungsmittel unserer Tage und Jugendliche nehmen es mit Freude an.

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