DIE GROTESKE KOMÖDIE – eine der Moderne gemäße dramatische Form
Der Hunger "Auf hoher See" bricht unvermittelt im ersten Satz hervor. Diese Plötzlichkeit wirkt grotesk. Mrozeks Floß ist eine entfremdete Welt. Vier Männer in Anzügen mit drei Sesseln und einer Kiste auf einem Floß. Das ist es aber nicht, was allein die groteske Situation auf dem Floß ausmacht.
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| Ein Briefträger stellt den hungrigen Männern auf offener See ein Telegramm zu; das ist absurd. Ein treuer Lakai taucht auf und versinkt ertrinkend auf Befehl; das ist tragisch.
Die wirkliche Groteske entsteht, wie in den grotesken Bildern von Hieronymus Bosch, im Spannungsfeld der Lächerlichkeit und des zugleich Bedrohlichen, Mrozeks Pointen provozieren Gelächter, das nicht befreit sondern belastet.
Auf dem Floß schwindet zwar die Grenze zwischen Wirklichem und Unwirklichem, und trotzdem macht das Geschehen viele Mechanismen unserer politischen Kultur bewusst.
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| Das Grauen ist deshalb so groß, weil es die Verletzlichkeit unserer Welt zeigt. In einer solchen Welt möchten wir nicht leben. Das Groteske ist eine entfremdete Welt. Fremd ist auch die Welt der Märchen, aber sie ist nicht entfremdet. Dazu gehört, dass das was vertraut ist, plötzlich fremd erscheint. Die Personen agieren wie Puppen, Masken machen Menschen leblos, Kugelschreiber werden zu Schwertern. Die Personen auf dem Floß verstricken sich fortlaufend in Intrigen. Wie in jeder Intrige geht es um Macht und wie man ihr entgegnen kann, mit Gewalt oder mit List.
Auf dem Floß wird auf vordergründige physische Gewalt verzichtet aber man scheut zugleich vor keiner Brutalität zurück. Nicht jede Intrige erscheint jedoch böse, manche rettende List wirkt erlösend.
Wie In Becketts und Ionescos Dramen grenzt bei Mrozek das Groteske ans Absurde.
Friedrich Dürrenmatt bezeichnete die groteske Komödie als die der Moderne gemäße dramatische Form.
Walter Lexmüller
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Ein echter Mrozek
„Ein echter Mrozek“ So lautet ein polnisches Sprichwort zur Beschreibung einer unsinnigen Lebenssituation. Damit gelingt dem 1930 in Polen geborenen Karikaturisten, Satiriker und Dramaturg Slawomir Mrozek schon zu Lebzeiten die Integration in die Altagssprache, bezeichnend sowohl für seinen nationalen wie internationalen Erfolg, sowie das sprachliche Genre in dem er sich bewegt: das der Absurdität.
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| Seine berufliche Laufbahn beginnt Mrozek als Karikaturist, bis er 1958 mit seinem ersten Stück „Die Polizei“ die Bretter der Welt und die Herzen bzw. das Zwerchfell des Publikums zu erobern beginnt. Dem Theater ist Mrozek bis heute treu geblieben. Seine Stücke sind geprägt durch eine Anhäufung grotesker Situationen und bestechen dabei dennoch – so absurd es klingen mag – durch ihre immanente Logik. Der Stoff dafür ist aus dem Leben gegriffen, Mrozek thematisiert die Schwächen des menschlichen Daseins, mokiert sich über politische Regime und kritisiert festgefahrene Verhaltenskonventionen. Er verpackt existenzialistische Problematik mit sprachlicher Raffinesse und karikaturistischer Pointiertheit und erntet von seinem Publikum Schmunzeln. „Ich habe zwar auf verschiedene Arten gelacht“, so Mrozek „laut und leise, aus dem Bauch und intellektuell, doch mein Lachen kam nie an den Kern heran. Ich gehöre zu einer Generation in deren Lachen immer Ironie, Bitterkeit oder Verzweiflung mitklingen wird. Ein gewöhnliches Lachen um des Lachens willen, heiter ohne Probleme, das scheint uns altmodisch und weckt Neid.“ |
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An der Interpretation von Mrozeks Stücken beißen sich Kritiker wie Zuseher die Zähne aus und die daraus resultierende Hilflosigkeit den Sinn des Sinnlosen zu artikulieren lässt sich am Besten kommentieren mit: „Ein echter Mrozek eben!“
Natalie Heliczer
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VERY SOPHISTICATED IN DER ANTIKE
In Athen war durch die Reformen des Kleisthenes zu Beginn des fünften Jahrhunderts vor Christus eine Staatsform geschaffen worden, die als erste Demokratie der Geschichte bezeichnet wird. Politische Entscheidungen wurden nun vor der versammelten Wählerschaft (wohlgemerkt, nur die freien, männlichen Bürger Athens) diskutiert und von dieser getroffen. Die Beherrschung des Wortes war Vorraussetzung für die Beherrschung der Massen geworden. Wer da Karriere machen wollte, brauchte also das entsprechende Know-how. Dieses beschafften sich die jungen Athener bei den sogenannten Sophisten (griech. sophia = Weisheit), einer aufstrebenden Berufsgruppe von Rhetorik- und Rechtslehrern, die auchg leich die dazu passende Ideologie lieferten:
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| In der Rhetorik gehe es darum, die schwächere Sache zur stärkeren zu machen, über alles gäbe es zwei einander entgegengesetzte Aussagen, es existieren keine absoluten Wahrheiten, der Mensch ist das Maß aller Dinge (Protagoras). Die Schwachen der Gesellschaft suchen ständig Schutz hinter Gesetzen, die dem natürlichen Recht zuwiderlaufen.Wie sah nun die Politik des von den Sophistenschülern gelenkten Athens aus? Die Schaffung eines Bundes von griechischen Staaten gegen die Gefahr aus dem Osten (den Persern) und Export der Demokratie in diese Gebiete, von Athen als Kampf für die Freiheit propagiert, von den Betroffenen oft als purer Imperialismus erlebt. Im Inneren wurden strengere Bürgerrechtsgesetze beschlossen, wonach das Bürgerrecht nur noch dann verliehen wurde, wenn beide Eltern aus Athen stammten. |
Protagoras
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Die Befürworter eines Krieges gegen die Rivalen Sparta und Korinth erzielten immer mehr Einfluss. Am Ende stand die völlige Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg. Kurz darauf wurde ein gewisser Sokrates, der die sophistischen Lehren wiederholt als Scheinwissen entlarvt hatte, von den Athenern zum Tode verurteilt.
Gregor Fröhlich
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