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Balladensalat

ein Stück der Gruppe

Pizzaexpress

Aufführungen im Rahmen des BiondekBühnen Festivals schau.spiel 2.3

**Spielleitung:** Ernst Klaps

Premiere: Donnerstag, 10.6.2010 18:00

Vorstellung: Sonntag, 13.6.2010 16:00

Ort: Halle B, Baden, Waltersdorferstr. 40

Was geben Balladen heute noch her? Wovon soll denn die eigene „Ballade“ handeln? – Über Freizeit und Alltag, über virtuelle Wirklichkeit und reale Fantasie

Balladensalat – aber bitte mit Essig und Öl

Wenn man nur irgendwie an Schule denkt und das Wort Ballade hört, wird einem ein Text in Strophen gegliedert in einer etwas altertümlichen Sprache einfallen. Manche mögen – oder rückblickend mochten – sie, andere seufzen, falls so etwas auf Geheiß der Lehrkraft auch noch auswendig gelernt werden soll. Ich möchte zunächst aber nicht von der Hand weisen, dass sich beim Balladenlesen und –lernen ein gewisses Vergnügen an unterhaltsam klingenden, gereimten Versen und so genanntes klassisch-kanonisches Bildungsgut ergänzen. Noch dazu kann man später als Erwachsener auf manche „Geister, die man nicht mehr los wird“ zurückgreifen und dem lästigen oder allzu herausfordernden Alltag eine parodistische, relativierende Note abgewinnen. Gewisse Inhalte, vielleicht auch in Form von prägnanten Textzeilen als Impulse, sind es auch, die mit Alltagssituationen kontrastiert, aber auch durch sie interpretiert werden können.

Wir – der „Pizzaexpress“, eine DSP-Gruppe der ersten Klassen – haben aus unserer Basisarbeit zu den Parametern Stimme, Mimik, Gestik und Bewegung heraus szenische Ideen gewonnen. Dabei ging es oft darum, was denn heute für die Spielerinnen wichtig und bewegend wäre, oder auch, wie das in alter Zeit Geschriebene noch mit Sinn erfüllt werden kann. Die klassischen Balladen sind immerhin ein Medium mit etwa 200 Jahren am Buckel, Bedrohungen und Freuden, Unangenehmes und Sehnsüchte, Emotionen und Phantasiewelten sind dementsprechend gestaltet – zuallererst natürlich einmal schriftlich! In heutigen Freizeit- und Unterhaltungserlebnissen herrscht mediale Vielfalt, vor allem optisch-akustisch, bis hin zu interaktivem Hineinleben und Mitleben in virtuellen Welten, in zweiten Wirklichkeiten, mental und sogar physisch. Man denke nur an simulierte Welten, in denen man Verantwortung für Haustiere oder für die nächste Ernte trägt, was emotionale Bindung schafft, oder ans sportliche Austoben mittels Wii. Kann man Phantasie durch Virtualität, Imagination durch Simulation ersetzen? Sollten wir uns auf Herkömmliches in Text und Lied besinnen? Wovon würden wir gerne lesen? Oder hören?

Damit komme ich zu einem weiteren Aspekt des Leitbegriffes, so dass dann ein anderer Bezug zu kindlich-jugendlichen Lebenswelten ermöglicht wird: die Unterhaltungsmusik, in denen Popballaden immer wieder als Hits auftreten, ob US-Pop, Austropop, Dance, Italo oder sonst was. Jedenfalls braucht’s immer wieder auch langsamere, nachdenkliche oder schlicht romantischere Songs in unserer akustischen, gewollten oder zwanghaften, Berieselung. Unser Bühnenensemble ist schließlich auch nicht dazu da, einem Genre Grenzen zu setzen, sondern wir wollten die Brauchbarkeit gewisser Textinhalte oder allgemein medialer Inhalte und Formen mal etwas ausloten. Vielleicht finden wir, was uns anspricht, wie etwa das Benennen von Problemen, das Trösten und Aufbauen, Freude und Spaß, eine zufriedenstellende Freizeitgestaltung oder schlichtweg die richtige Form von Unterhaltung, die unsere Sinne nicht abstumpfen lässt.

So haben sich die elf Spielerinnen des „Pizzaexpress“ von verschiedenen theatralischen, oder auch gar keinen, Vorerfahrungen ausgehend hin zu einem Ensemblegefühl, und einer Szenenfolge als Produkt, entwickelt. Der spielorientierte Zugang, von der Basisarbeit zum kollektiven Spiel, zu Koordination und Darstellung auf der Bühne, zum Reagieren aufeinander, stand dabei im Vordergrund, und nicht etwa vorgefertigte, textorientierte Rollen. So wie der Name unserer Gruppe haben auch so manch andere spontane Einfälle die Arbeit an einem Stück vorangetrieben. So kommt dann ein ziemlicher Balladen-Salat raus, in dem das essigsaure Moralische, aber auch ölig-triefende Gefühlswelten nicht fehlen dürfen, ebenso wie viele weitere Zutaten unserer Bedürfnisküche.

Ernst Klaps



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